Klassisch-Philologisches Seminar

 

Forschung

Überblick und Forschungsschwerpunkte (2011)
Habilitationen und Dissertationen

Überblick und Forschungsschwerpunkte (2011)

Die Forschung am Klassisch-Philologischen Seminar ist massgeblich von den individuellen Profilen der Dozierenden geprägt. Mit Prof. Baumbach als Gastprofessor für Gräzistik (Vertretung für Prof. Riedweg seit 2005) sind insbesondere die Forschungsbereiche Rezeptionsgeschichte der Antike, Literatur der Zweiten Sophistik, das griechische Epigramm und Hellenistische Dichtung vertreten. Im Berichtszeitraum wurde unter anderem die Publikation des "Brill Companion to Greek and Latin Epyllion" fertig vorbereitet, der auf einen 2010 organisierten internationalen Kongress zurückgeht. Weitergeführt wurde die Arbeit an einem Kommentar zu Chariton (mit Prof. Sanz, Universität Caceres, Spanien) sowie an einer Einführung zu Lukian und der Zweiten Sophistik, die in Zusammenarbeit mit Prof. Möllendorff (Giessen) entsteht. Die Kooperation mit einem von der DFG geförderten, an der FU Berlin angesiedelten Forschungsprojekt zum Epigrammbuch von Poseidipp konnte durch die Unterstützung einer drittmittelgestützten Stelle (SNF), an der zunächst Prof. Adrian Stähli und später Urs Müller als wissenschaftliche Mitarbeiter angestellt waren, abgeschlossen werden. Zu den weiteren Projekten, die Prof. Baumbach in diesem Jahr intensiv verfolgt hat, gehören ein Kommentar zur Diatribe 4,1 Epiktets und ein Kommentar zum Euripides zugeschriebenen Rhesos. Im Sinn der Nachwuchsförderung hat die von Prof. Baumbach gegründete Forschergruppe (lic. phil. Nicola Dümmler; Dr. Silvio Bär; lic. phil. Fabian Zogg) an einem Kommentar zu den Carmina Anacreontea gearbeitet. Daneben wurde in Zusammenarbeit mit Prof. em. Horst Sitta (Germanistik) eine zweisprachige Reclam-Ausgabe vorbereitet (Publikation: Frühjahr 2012). Die ersten Resultate zum Kommentar wurden an der "International Conference on the Carmina Anacreontea" (20.6.-2.7.2011) mit der Fachwelt diskutiert. Die eingereichten Papers dieser Tagung werden im Jahr 2012 für die Publikation vorbereitet. Prof. Baumbach ist Mitglied der internationalen interdisziplinären Forschergruppe des Leibniz-Kreises, die sich im Berichtszeitraum zweimal zu Fachtagungen getroffen hat, und er ist seit 2011 Mitherausgeber des Bochumer Philosophischen Jahrbuchs für Antike und Mittelalter.

Prof. Riedweg arbeitete zu kulturellen und literarischen Übertragungsphänomenen und schlug mit dem vom SNF und der DFG unterstützten Forschungsprojekt zu Kyrill den Bogen bis zur kaiserzeitlichen Religionsgeschichte. Ein zusätzlicher Forschungsschwerpunkt lag in der Philosophiegeschichte, etwa in Form seiner Forschungen zu den präsokratischen Philosophen oder in Form der ebenfalls u.a. von Prof. Riedweg geleiteten Neuedition des "„Grundriss der Geschichte der Philosophie: Philosophie der Kaiserzeit und der Spätantike. Ueberweg Reihe Antike, Band 5".

Prof. Eigler, zu dessen Schwerpunkten die Literatur der römischen Republik, die Augusteische Dichtung, die lateinische Literatur der Spätantike sowie des Humanismus und die Rezeption antiker Literatur in moderner Literatur und im Film zählen, intensivierte die Arbeit an einer Monographie zum Konzept von Stadt und Land in der Augusteischen Literatur sowie an verschiedenen Projekten zum Neulatein. Hinzu kam im Berichtszeitraum die Erarbeitung eines Textkorpus' zur Rezeption Pompejis in der europäischen Literatur. Er befasste sich als Fachgebietsherausgeber des "Handwörterbuchs der antiken Sklaverei" ausserdem intensiv mit der Wahrnehmung von Sklaven und Sklaverei in antiken Texten. Die zu diesem Thema etablierte Zürcher Arbeitsgruppe schrieb zahlreiche Artikel für das Handbuch, welches im Jahr 2011 abgeschlossen werden konnte. Hervorzuheben ist, dass gerade jüngere Forschende sich intensiv mit diesem Thema befassen, teilweise in eigener Verantwortung, teilweise in Kooperation mit Prof. Eigler. In diesem Zusammenhang steht das für 2012 geplante Folgeprojekt "Die antike Sklaverei und das Imaginaire des 19. Jahrhunderts: Sklavenfiguren von Literatur bis Malerei". Daneben ist auch ein Projektantrag geplant zum Thema "Latein am Rhein" (16.-17. Jh.), zu dem im Herbstsemester 2011 im Rahmen einer gemeinsamen Vorlesung und eines Kolloquiums mit PD Dr. Stefan Tilg bereits intensiv gearbeitet wurde. Als weiteres Forschungsprojekt ist eine Kooperation von Prof. Baumbach und Prof. Eigler zum Thema "Lateinischen Inschriften der Schweiz" vorgesehen.

Carlotta Viti, Assistenzprofessorin für Griechische und Lateinische Sprachwissenschaft, hat ihre Habilitation zum Thema "Variation und Wandel in der Syntax der alten indogermanischen Sprachen" eingereicht.

Ein wichtiges Aushängeschild der Klassischen Philologie an der Universität Zürich bleibt die Religionswissenschaft, die mit dem Emeritus für Gräzistik, Prof. Burkert, prominent vertreten ist. Als einer der führenden Experten für das Verständnis der altgriechischen Religion hat er seine längst zum unersetzbaren Standardwerk gewordene Monographie "Griechische Religion der archaischen und klassischen Epoche" im Jahr 2011 in einer zweiten Auflage publiziert. Daneben haben auch in diesem Berichtsjahr wieder die Privatdozierenden Prof. Dr. L. Gemelli und PD Dr. V. Masciadri die Erforschung der Religionswissenschaft der Antike massgeblich geprägt.

Habilitationen und Dissertationen

Die Forschungsschwerpunkte der ProfessorInnen und Privatdozierenden werden durch eine Vielzahl von Doktorarbeiten und Habilitationen weiter vergrössert. Im Bereich des Griechischen entstehen Qualifikationsarbeiten zu so unterschiedlichen Themen wie dem euböischen Dialekt, dem griechischen Roman, dem griechischen Symposion, der Liturgie des St. Gregor, der Figur des Kyklopen, der Klytaimestra, dem Frieden des Aristophanes, der Figur und dem Mythos des Herakles, der Sprache und dem Stil Kyrills von Alexandrien, dem Agon der euripideischen Troerinnen, der grossen Rede des Timaios, dem Archidamos des Isokrates und dem byzantinischen Roman des 12. Jh.s. In der Latinistik werden Arbeiten zu den folgenden Projekten geschrieben: ein Vergleich von Lukrez und Manilius; die Briefe Gregors des Grossen ins Reich der Franken; Verdunklungskunst und elitärer Sprachcode in der spätantiken Bildungskultur; die Vita Heliogabali aus dem Corpus der Scriptores Historiae Augustae.

Genauere Informationen zu den einzelnen Forschungsprojekten bietet die Forschungsdatenbank der Universität Zürich.